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Diplomat oder Seelsorger? Neue Quellen zu Eugenio Pacelli

3. Fachtagung der Kommission in Schwerte

Darum war es für den Vorsitzenden der Kommission, Dr. Georg Pahlke (l.), eine besondere Freude, Prof. Dr. Hubert Wolf (r.) aus Münster als Referenten begrüßen zu können, der als einer der besten Kenner der erst seit einigen Jahren neu zugänglich gemachten Akten zur Regierungszeit Pius XI. im Vatikanischen Geheimarchiv gilt. Prof. Wolf verstand es, in einem ebenso lebhaften und spannenden wie wissenschaftlich fundierten Vortrag den 30 interessierten Teilnehmern an der Fachtagung nicht nur die Arbeitsweise in den vatikanischen Archiven, sondern auch die Quellen, die sich auf Eugenio Pacelli beziehen, zu erläutern. Besonderen Wert legte er dabei auf die Frage, inwieweit die zwölf Jahre als Nuntius in Deutschland und die anschließende Tätigkeit als "zweiter Mann" im Vatikan das Denken und die Motive des Handelns des späteren Papstes geprägt haben könnten. In vielen Quellen, die Wolf in den letzten Jahren mit seinem Team in Rom erforscht hat, wird nach seiner Meinung immer wieder deutlich, dass vor allem die misslungene Friedensinitiative des Papstes im Ersten Weltkrieg und die pastorale Situation in Deutschland während des Kulturkampfes den Vatikandiplomaten veranlasst haben, in der politischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus einen eigenen Weg einzuschlagen. Wie dieser letztendlich für die Zeit als Papst zu beurteilen ist, kann - so Wolf - eigentlich erst gesagt werden, wenn auch die Archive für die Regierungszeit Pius XII. geöffnet worden sind. Damit ist aber schon aus archivtechnischen Gründen erst in einigen Jahren zu rechnen.
An Wolfs Vortrag schloss sich ein reges Gespräch mit den Zuhörern an, das vom Studienleiter der Akademie Schwerte, Dr. Markus Leniger (m.), moderiert wurde.